Das Herz der Heidelberger Industrie

Jürgen Däuber, Standortleiter von Henkel in Heidelberg, engagiert sich für den Industriestandort Heidelberg

Ein verdienter Bürger des Stadtteils Pfaffengrund, Friedel Eschwey, brachte es auf einen kurzen Nenner: „Ohne den Stadtteil Pfaffengrund hätte die Stadt Heidelberg den Sprung zur modernen Großstadt bis heute nicht geschafft. Hier wurden auf den weitläufigen Kartoffel-und Gemüseäckern nicht nur dringend notwendige Wohnungen errichtet, von denen 1920 die ersten bezogen wurden, sondern hier begann auch die Entwicklung zum Industriestandort Heidelberg.“
Der Hintergrund: 1920/21 führte die Reichssteuerreform dazu, dass Heidelberg in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Die Folge: Die Stadt bemühte sich um neue Industrieansiedlungen – und so entstand 1922 nördlich der Eppelheimer Straße ein Industriegebiet mit geringer Wohnnutzung, dessen Impulsgeber das 1915 erbaute Gaswerk war. 1924 zieht hier als eines der ersten Unternehmen die Firma Theodor Ross und Söhne ein und verkauft unter der Marke Teroson vor allem Rostschutzmittel für Autos.

1991 wird das Unternehmen an Henkel verkauft – behält jedoch den Standort bei. Heute stellen hier rund 680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedes Jahr rund 50.000 Tonnen Kleb- und Dichtstoffe sowie Beschichtungsmaterialien vor allem für die Automobilindustrie her. Standortleiter Jürgen Däuber ist schon seit 40 Jahren dabei und engagiert sich nicht nur für die Entwicklung des Pfaffengrunds, sondern für den gesamten Industriestandort Heidelberg.
„Wir brauchen Akademiker und Wissenschaftler in Heidelberg, wir brauchen die Hotellerie und die Gastronomie, aber wir brauchen auch die Industrie – und ich habe den Eindruck, dass unser Part an der Wertschöpfung der Stadt nicht immer die Wertschätzung erhält, die er verdient“, so der leidenschaftliche Heidelberger, der sich im Industriekreis Heidelberg als Erster Vorsitzender für die nachhaltige Entwicklung der Industrie in Heidelberg einsetzt und ihre Relevanz für den wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand der Stadt deutlich machen will.
Schon Anfang der 1960er Jahre war das Industriegebiet flächendeckend fertiggestellt und Standort insbesondere für Unternehmen der Investitionsgüterindustrie. Neben Henkel gehören Firmen wie Stotz-Kontakt, heute Teil des ABB-Konzerns, TI Automotive, die Heidelberger Brauerei, der Lackehersteller Heidelberg Coatings oder der Automobilzulieferer BorgWarner zu den bekannten Namen im Pfaffengrund. Natürlich verschwanden auch renommierte Firmen, wie etwa Grau-Bremse, ein Zulieferbetrieb der Fahrzeug- und Waggonindustrie, der in dem schwedischen Haldex-Konzern aufging, nach Wieblingen umzog und seinen Standort in Heidelberg wohl noch in diesem Jahr schließen wird. Doch auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder neue Nutzer wie die BASF-Tochter hte – the high throughput experimentation company, die mit ihrem Geschäftsmodell, der Beschleunigung der Forschung und Entwicklung in der Katalyse, kosteneffiziente Innovationen und kürzere Markteinführungszeiten für neue Produkte ermöglicht.

Rund 15 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Heidelberg derzeit in den Bau und die Gestaltung ihres neuen Energie- und Zukunftsspeichers, mit dem Heidelberg einen großen Schritt in Richtung „grüne“ Energieversorgung macht. Ab Mitte 2021 soll der Speicher auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Auf dem begehbaren Dach ist eine Gastronomie geplant und die gesamte Anlage wird in einen Energie- und Bewegungspark eingebettet. Diesen möchte auch das Orthopädie- und Rehatechnikunternehmen adViva für Tests und das Training mit seinen Hilfsmitteln nutzen, das erst im Frühjahr 2019 in die Eppelheimer Straße im Pfaffengrund umzog. „Der Pfaffengrund ist mit einer Fläche von 88 Hektar nicht nur das älteste Gewerbegebiet in Heidelberg, sondern zugleich das größte. Dort sitzen rund 170 Betriebe mit rund 5.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – darunter etwa 120 Dienstleister und ca. 50 Firmen, die selber fertigen, ein Drittel aller produzierenden Unternehmen in Heidelberg“, so Däuber, der neben dem Engagement im Industriekreis regelmäßige Nachbarschaftstreffen initiiert hat, bei denen sich alle „Player“ auf dem Pfaffengrund zusammensetzen und aktuelle Probleme diskutieren – in einer offenen Atmosphäre. „Hier sprechen wir auch mit den Einwohnern des Pfaffengrunds über neue Entwicklungen oder geplante Investitionen und Erweiterungen.“ Mit einem abwechslungsreichen Jubiläumsprogramm zum 100. Geburtstag wollte sich die in dem Industriegebiet ansässige Wirtschaft für die gute Zusammenarbeit bei der Bevölkerung bedanken – ein Plan, der leider derzeit dem Coronavirus zum Opfer fällt.

„Die Kommunikation auch mit der Stadt Heidelberg ist uns sehr wichtig“, betont Däuber. „Denn jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Es geht um die Infrastruktur, bei der wir einen sehr hohen Nachholbedarf haben, es geht um den Konflikt zwischen Wohnbebauung und Industriegebiet und die Beantwortung der grundsätzlichen Frage, wieviel Raum man der Industrie letztendlich noch einräumen möchte. Denn wir schätzen unseren Standort auf dem Pfaffengrund und möchten uns hier weiterentwickeln. Henkel investiert kontinuierlich, weil wir an diesen Standort glauben – und wir stehen mit diesem finanziellen Engagement nicht allein.“

(IHK magazin RHEIN-NECKAR Mai 2020, Seite 14f.)
https://www.rhein-neckar.ihk24.de/blueprint/servlet/resource/blob/4798054/ccf65f86caa9f69dd0c12375b426e76e/druckansicht-mai-2020-data.pdf

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