Jürgen Däuber, 1. Vorsitzender Industriekreis Heidelberg

Wirtschaft Unternehmen

Im letzten Jahr feierte der Industriekreis Heidelberg mit einer großzügigen Spende an die Jugendorganisationen der Feuerwehr und des THW Heidelberg seinen 10. Geburtstag. Das spiegelt die gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung wider. Aber wie kam es eigentlich zu der Namensgebung?

„Der Industriekreis Heidelberg wurde im ältesten Industriegebiet Heidelbergs, im Pfaffengrund, gegründet. Es war also die logische Konsequenz, die Bezeichnung ‚Industrie‘ im Vereinsnamen zu führen. Außerdem gab es von Beginn an über Henkel AG & Co. KGaA Kontakte zum Industriekreis Düsseldorf. D.h. ‚Industrie‘ steht vielmehr als Synonym für Wirtschaft und Unternehmertum; bereits bei den Gründungsmitgliedern waren neben Industrie- auch Dienstleistungs- und Gesundheitsunternehmen vertreten.“

Die Vielfalt bei den Mitgliedsunternehmen wurde im Rahmen der Neuaufnahmen konsequent beibehalten. Aber sollte dann die Bezeichnung „Industriekreis“ neu überlegt werden?

„Nach 10 Jahren erfolgreicher Tätigkeit des Industriekreises ist es für uns weiterhin wichtig, dass es über einzelne Unternehmen hinaus einen Austausch auf Augenhöhe gibt. Es sind Netzwerke und Freundschaften entstanden. So haben wir eine gute Basis zur Weiterentwicklung. Wenn wir heute reflektieren, ist unser Verein eher ein ‚Wirtschaftskreis‘ als ein ‚Industriekreis‘. Deshalb haben wir als Zusatz zu ‚Industriekreis‘ das Thema ‚Wirtschaft Unternehmen‘ aufgenommen; Unternehmertum und Wirtschaft müssen in Heidelberg stärker reflektiert werden. Das heißt: unser Fokus bleibt und der Bekanntheitsgrad vom „Industriekreis“ ist jetzt schon vorhanden, sodass auch dieser Name bleibt. Wenn wir einen Blick auf unsere Satzung werfen, haben wir auch hier von ‚Wirtschaftsunternehmen‘ gesprochen und nicht von ‚Industrieunternehmen‘. Auch unsere Nähe zur IHK unterstreicht diesen Charakter.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf unseren definierten Aufnahmeprozess hinweisen: ein Mitglied spricht ein interessantes Unternehmen an und stellt dieses im Anschluss dem Gremium des Industriekreis vor. Dieses Gremium entscheidet dann über die Aufnahme. Wichtig ist uns dabei der Wettbewerbsausschluss gegenüber den bestehenden Mitgliedsunternehmen, um die notwendige Offenheit im Austausch beizubehalten.“

Welche Themen wollt ihr in Zukunft stärker bearbeiten und welche Perspektive bietet der Industriekreis den Mitgliedsunternehmen?

„Die bereits vor Jahren definierten Themen sind auch heute noch topaktuell: den Städten geht es finanziell schlecht und die Gewerbesteuern sind eine der wichtigsten Einnahmequellen, um auch soziale und ökologische Projekte zu finanzieren. Daher soll eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wirtschaft erfolgen; denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch der Stadt und seinen Einwohnern gut.“

Das heißt, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg weiter gestärkt werden soll? 

„Es sind in der Tat zahlreiche Themen, die in Zusammenarbeit mit der Stadt entwickelt werden sollen: Beispielsweise ist zur Unterstützung des Unternehmertums eine gut funktionierende Infrastruktur mit Verkehrswegen wichtig, die auch Schwerlastverkehr ermöglicht. Erst beim letzten Nachbarschaftstreffen haben die Stadtwerke Heidelberg die zunehmende Bedeutung der E-Mobilität bei LKWs dargestellt, für die Lademöglichkeiten zentral geschaffen werden müssen.“

Das stimmt: der Industriekreis Heidelberg hat einen direkten Draht zu den Stadtwerken, wo auch ein reger Austausch stattfindet

„Um auf die Verkehrswege zurückzukommen: Mit deren Optimierung sind auch immer wieder Baustellensituationen verbunden. Hier ist es eine kontinuierliche Herausforderung, die Bauphasen zu verkürzen und Vollsperrungen zu vermeiden. Das ist wichtig für den Kundenverkehr, genauso wie für die Anlieferungen und die Erreichbarkeit des Unternehmens durch die Mitarbeitenden. Die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen vertreten wir im Arbeitskreis Wirtschaftsverkehr, in dessen Gremium wir ständig als Industriekreis Heidelberg vertreten sind.

Wir bringen uns außerdem ein im Zweckverband Heidelberg / Leimen; von den Themen und Auswirkungen sind drei unserer Mitgliedsunternehmen unmittelbar betroffen. Wir haben sie zusammengebracht und unterstützen sie.“

Und was sind eure Ziele generell? Wo siehst du den Industriekreis in einigen Jahren? 

„Wir möchten die Unternehmen wieder stärker in den Fokus der Stadt Heidelberg bringen. Es ist wichtig, ihre Bedürfnisse bei den klassischen Behördengängen zu vereinfachen, Bürokratieabbau zu forcieren und Digitalisierung zu fördern. So können sich unsere Mitgliedsunternehmen wieder stärker auf die eigentlichen Unternehmensaufgaben konzentrieren und den wirtschaftlichen Erfolg vorantreiben. Damit werden wiederum Arbeitsplätze gesichert und ausgebaut, genauso wie Wettbewerbsfähigkeit, also Zukunftsfähigkeit gestärkt.

Außerdem wollen wir bei den Bürgerinnen und Bürgern Heidelbergs stärker ins Bewusstsein bringen, dass Wirtschaft und Unternehmertum ein wichtiger und verantwortungsbewusster Bestandteil in der Gesellschaft sind. Wir benötigen es in Heidelberg wie Wissenschaftsorientierung, Kultur und Sport.“

Lieber Jürgen: vielen Dank für diesen Austausch!